HOW TO ARCHITECTURE?
Tue 04.05.10 19:00
Audimax
  • Burkhard Grashorn
    • Bauhaus-Universität (Weimar)

Das Diktat der Architektur - Eine neue Bauhaus-Lehre kurz vor des Rätsels Lösung

Der Architekt Burkhard Grashorn steht stellvertretend für eine Nachkriegsgeneration von Architekten, deren Denken und Horizont nicht innerhalb der realen Bauausführung befangen blieb, sondern sich von einem utopischen wie kritischen Ansatz hat leiten lassen, um hieraus Ideen für eine neue Baukunst zu entwickeln. Thema dabei ist dabei meist eine „Utopie der Rekonstruktion“ die allerdings in Gegenwart und Zukunft übertragen wird, seit knapp 40 Jahren arbeitet er an seinem Kosmos enzyklopädischer Urbilder der Architektur. Auf dieser Grundlage hat Grashorn über sein Schaffen hinaus auch als Professor nachhaltigen Einfluss auf die Architekturlehre an der Bauhaus-Universität nehmen können. Er hat vielen kritischen Geistern unter den Studenten Zuflucht geboten, sich unter den Lehrenden nicht nur beliebt gemacht und ist sicher nicht immer verstanden worden - dabei hat er oft Kritik an der heutigen Lehre aber auch an der Rezeption des Bauhauses geübt und viele seiner Studenten anhaltend geprägt.

Nach dem Architekturstudium in Berlin und Rom, wo er mit seinem Freund Michelangelo Antonioni ein leider nie realisiertes Filmprojekt über „Architektur und Liebe“ plante und nach seiner Mitarbeit im Architekturbüro von J.P. Kleihues veröffentlicht der 'junge Wilde' Artikel mit Titeln wie „Der Rationalismus ist der Boden, aus dem die kommende Architektur wächst, oder: Wie der Architekt es verhindert, Ochse oder Schaf zu werden“ hält Vorträge und wird in der Lehre für Entwerfen und Architekturtheorie tätig.

Im Jahre ist er 1980 als Kommissar für den deutschen Beitrag auf der ersten Architekturbiennale in Venedig verantwortlich, die unter dem Motto „La Presenza del Passato“ steht. Er selbst tritt in Venedig mit dem „Turm der Architekturutopien“ auf, einer fundamentalen Kritik an der damaligen städtebaulichen Planungspraxis, der anschließend in Paris, San Francisco und in zahlreichen deutschen Städten gezeigt wird. Weil der Turm danach aber keine endgültige Heimat findet, noch nicht einmal im neu gegründeten Deutschen Architekturmuseum Frankfurt, verbrennt er ihn im Rahmen eines furiosen Happenings.

Auf der Biennale selbst schrieb er damals ins Stammbuch: Man erlebe heute allenthalben „ein hilfloses Stottern in der Stil-Grammatik... anstatt in den Werken der Vergangenheit die Millionen positiver Träume zu suchen, die danach drängen, realisiert zu werden... Deshalb muss die Architektur bis dahin Aufruhr sein und dieses Ziel sichtbar machen. Die der Vergangenheit eingemalten, eingemeißelten und eingeschriebenen Wünsche und Träume werden beim Überschreiten in die Zukunft Unruhe und Kampf bringen. Die Welt vibriert ja schon.“

Prof. Burkhard Grashorn, geb. 1940
Architekturstudium in Berlin und Rom seit 1974 Lehrtätigkeit für Entwerfen und Architekturtheorie 1980 Kommissar für den deutschen Beitrag der 1. Internationalen Architektur-Biennale in Venedig 1990 Ausstellung „Die Künste tragen die Stadt“ als Beitrag für die Expo 2000 1995 Preisträger des Wettbewerbs „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ in Berlin 1997 Professur an der Bauhaus-Universität Weimar, Lehrstuhl Entwerfen und Baugestaltung 2009 Werkschau „Auszug“ anlässlich der Aufnahme seines Werks in das 'Archiv der Moderne', Emeritierung

Quellen: Laudatio von Prof. Frank R. Werner sowie Informationstext zur Ausstellung "Auszug" anlässlich von Prof. Grashorns Emeritierung/ Archiv der Moderne; Randgespräche zur Architektur / ACC